Vorstellung
Ortsvorsteher
Martin König
Statistik
Einwohnerzahl: 231 (nur Hauptwohnsitz, Stand: 01.01.2026)
Gesamtfläche: 650 ha
Ersterwähnung: 1254
Allgemein
Berneburg befindet sich neben Hübenthal am Eingang des Pfaffenbachtals, südwestlich von Sontra an der Bundestraße 27 und grenzt an die Gemeinde Cornberg des Landkreises Hersfeld-Rotenburg. Die Ersterwähnung der Dörfer geht auf das Jahr 1254 zurück. Bei Hübenthal auf 1269.
Berneburg wurde am 01.07.1971 im Rahmen der damaligen Gebietsreform vom Altkreis Rotenburg an der Fulda zur Stadt Sontra und dem Werra-Meißner-Kreis eingemeindet.
Historische Namensformen
Berndeburg (1254)
Berneborg (1290)
Berneboch (1292)
Berneburg (1333)
Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung
Elgendorf
Hübenthal
Kalkofen
Berneburg
Geschichte
Das Dorf Berneburg gehört vermutlich zur ursprünglichen Ausstattung des Cyriakusstifts in Eschwege, das hier zu Anfang auch die Gerichtshoheit und das Patronat besitzt. Die von Berneburg beziehen ihre Burg zunächst als Lehen des Stifts. Gegen die Eingriffe der landgräflichen Amtleute zu Sontra kann das Stift im 15. Jahrhundert seinen grundherrlichen Besitz bewahren, die Gerichtsbarkeit gelangt jedoch schon vor der Reformation an die Landgrafen. Kloster Cyriacus in Eschwege versetzt 1437 das Dorf Berneburg Gericht und Recht, mit Holz und Feld, Wasser und Weide und mit allen Rechten, ausgenommen ihre Zinsen an Hermann Riedesel. 1445 verkauft Friedrich Hinselgans erblich sein Gut in Berneburg, genannt das Netersch Gut, mit allem Zubehör im Gericht Sontra und Spangenberg mit Ausnahme der Rechte der Cyriacus-Kirche in Eschwege für 294 Gulden an Landgraf Ludwig von Hessen und wird Mitte des 15. Jahrhunderts zum Gericht bzw. Amt Sontra gerechnet. 1538 gehört das Dorf mit aller Obrigkeit, Gericht, Gebot und Verbot, Dienst und Schaftrift dem Landgrafen von Hessen.
Die Familie derer von Berneburg, die dem Ort den Namen gab, war bevor das Adelsgeschlecht ausstarb, im Dorf präsent und besaß eine Burg, die im Thüringisch-Hessischen Krieg in den 1380er Jahren bis auf das Erdgeschoss zerstört wurde. Nach der Eroberung ab 1385 wurde sie wieder in anderer Form auf den Resten der Ruine errichtet. Später in 1431, nachdem der neue Besitzer Eckhard von Röhrenfurth 1429 starb, wurde sie von Hermann Riedesel geerbt, dem Schwiegersohn. Danach besaßen sie ab 1509 die Familie derer von Hundelshausen, die die längste Zeit darin lebten und dadurch letztlich der neue Namensgeber von Berneburg auf Hundelshausische Burg wurden. Später wurde die Burg im 19. Jahrhundert, mittleiweile ein großer Gutshof, von der Familie Voppel verwaltet, als dann am 14. Juni 1864 die große Wasserflut ein Teil des Hofes mitriss und im Dorf sechs oder sieben Menschen und weit über 1.000 Stück Vieh das Laben kostete. Der Ort wurde komplett verwüstet. Darüber wird ausführlich in der Grabrede zur Wasserflut von dem Pfarrassistenten W. Baumann im August 1864 berichtet.
Heute steht nur noch die Burg als solche auf dem Hof, genannt "de Borg". Im Erdgeschoss sind die Reste der ursprünglichen Berneburg zu sehen. Von außen scheinbar eher ein Schloss. Zwei Geheimgänge gingen, einer heute noch durch das Gebäude und ein zweiter, inaktiv, unter dem Dorf zur später errichteten Kemenate. Die inneren Gewölbe zeigen Ornamente, noch aus dem ersten Jahrtausend. Alle anderen Gebäude wurden abgerissen, ein Stall in 1919 neu errichtet. Wappen im Giebel erinnern an die von Hundelshausen. Fälschlich wird ein Wappen mit einem Bären, fast wie das berliner Stadt-Wappen, als das derer von Berneburg an anderen Stellen angeführt.
Ein weiteres Wahrzeichen des Stadtteils ist die einstige "Kemenate", die gegen Ende des 14. und Beginn des 15. Jahrhunderts enstand.
Sie war früher fünfstöckig und galt als Verteidigungsanlage zur Frankfurter Straße hin (heute B27). Nach dem 30-jährigen Krieg (1618 - 1648), wurde im Jahr 1656 das heutige Fachwerkhaus durch einen von Stein für die derer von Biedenfeld errichtet. Auch hier erinnern Wappen im Giebel daran sowie ein Stein am Erdgeschoss des Hauses.
Dieser Hof wurde in den letzten Jahrzenten und durch mehrere Generationen renoviert, umgebaut und in den heutigen Zustand versetzt. Dieses Einzelkulturdenkmal mit seinem sehr alten Burgturm welcher ca. um 1385 erbaut wurde, fasziniert Jung und Alt und ist ein Besuch wert.
Nähere Informationen über die Kemenate bekommen Sie auf dieser Seite https://steinischer-hof-ackermann.jimdo.com/
Gegenüber der Kemenate wurde 1446 das Heroldsgut, später als zweiter von hundelshausischer Hof bekannt, durch Conrad Philipp von Hundelshausen, auf einem Felsen errichtet. Dieses Gebäude wurde nach dem Abriss der alten Dorfschule, die neue Dorfschule und ist heute das Dorfgemeinschaftshaus. Die erste Schule stand gegenüber der heutigen Dorfkirche.
Die alte Dorfkirche stand auf dem Kirchberg und wurde durch kroatische Truppen im Jahr 1635 zerstört, sowie ein Großteil des Dorfes Berneburg. Erst knapp 100 Jahre nach der Zerstörung, wurde in den Jahren 1743 - 1747 von Giovanni Ghezzi, einem italienischen Baumeister, die heutige Kirche auf dem ehemaligen Dorflindenplatz errichtet. Eine Glocke stammt noch aus der alten Kirche. Die von Biedenfeldt waren auch die Spender der ältesten Berneburger Glocken für die Kapelle auf dem Kirchberg (1478). Eine der Glocken - die Ossana-Glocke - erklingt noch heute in der Berneburger Johanniskirche.
In den Fußboden sind wertvolle Grabplatten einer wesentlich älteren Kirche eingelassen, die als Wallfahrtskirche auf dem Kirchberg, etwa an der Stelle der heutigen Friedhofskapelle, gestanden hat.
10 Jahre vor Kriegsbeginn wurde das Pfarrhaus in 1608 errichtet. Die Kirchenbücher gehen dabei bis 1607 zurück.
Der vierte adelige Hof in Berneburg ist der Sedilhof, der der zweite von biedenfeldische Hof war und heute den größten landwirtschaftlichen Betrieb beherbergt. Er ist vor dem von steinischen Hof (zweiter Hof v. Biedenfeld) und dem von hundelshausischen Hof mit der Burg, der Größte im Dorf. Zweimal schon brannte es dort. Das Wohnhaus viel dem Feuer nicht zum Opfer. Der Hof geht auf das 16. Jahrhundert zurück.
Die nach der von hundelshausischen Burg im Oberland älteste Flur in Berneburg ist die Untermühle. Das heutige Wohnhaus wurde 1732 errichtet. Dieser Hof hat bis zum heutigen Tage legitime Nachkommen der ersten Familie dort.
Die Obermühle im Oberland vor der Burg, wurde 1736 errichtet und hatte mit dem wenigeren Wasser des Pfaffenbaches der Untermühle einen Nachteil. Im Winter frierte das Mühlrad oft ein und es fand kein Umsatz statt. Die Untermühle, welche den rockensüßer Bach noch dazu hatte und somit viel mehr Wassergang, hatte dieses Problem weniger, wenn gar nicht.
Berneburg und Hübenthal wurden ab 1927 verrohrt und kanalisiert. Der Bachlauf des Pfaffenbaches wurde dabei von der Hauptstraße und in Teilen unterirdisch durch den Klippenweg verlegt. Dadurch wurde der heutige Dorfplatz, durch den der Bach vorher verlief, frei. An dieser Stelle wurde die heutige Ringmauer mit der Linde errichtet und gepflanzt (Quelle: Dorffotos von den Arbeiten ab 1927).
Nach dem Zweiten Weltkrieg dienten die größeren Höfe Berneburgs und Hübenthal als Flüchtlingsunterkunft der geflohenen Sudetendeutschen und Oberschlesier, von denen sich ein Teil niederließ und in den 1950er Jahren das durch Neubauten das damalige Neubaugebiet „Gründchen“ mitgestalteten.
Zur 100 Jahrfeier der Wasserflut wurde 1964 ein Gedenkbrunnen vor dem heutigen Dorfgemeinschaftshaus errichtet. 1977 wurde der Grillplatz mit Hütte im ehemaligen Steinbruch des Kalkofens mit Fußballplatz errichtet.
In den frühen 80er Jahren besuchte der damalige Bundespräsident Karstens durch seine Wanderleidenschaft Hübenthal. Ihm wurde dabei von Jagdbläsern ein Ständchen gespielt.
Seit derselben Zeit wird beim ehemaligen Katterberg Gips abgebaut.
Freizeit und Kulturelles, Vereinsleben
Im Schatten des Kirchberges werden alte Traditionen mit neuem Leben gefüllt. Besonders dem 1970 gegründeten Schützenverein ist es zu verdanken, dass der geschichtsträchtige Name in vieler Munde ist. Der ganze Stadtteil feiert mit, wenn das Himmelfahrtsschießen mit einer Grillfete endet.
Des Weiteren besitzt Berneburg neben dem Schützenverein mehrere, ortsansässige Vereine, wie die Freiwillige Feuerwehr 1880 mit Kinder- und Jugendfeuerwehr Pfaffenbachtal, den Männergesangverein 1884, den Kindergarten Rabennest mit Spiel- und Lernschule, den Sparclub Frohe Runde, den FC Kalkofen 1992 sowie dem Frauenchor Mixed Colors. Beide Dörfer gehören zum Einzugsgebiet der SG Pfaffenbachtal-Schemmergrund.
Das Dorfgemeinschaftshaus und die darin befindlichen Jugendräume stehen für eine rege Inanspruchnahme durch die Einwohner und Gäste zur Verfügung.
Die Freizeitanlage „Kalkofen“ an der Bundesstraße bietet mit ihrem Fußball- und Grillplatz sowie sanitären Einrichtungen mit Küche und Toilettenanlage viel Spaß für Jung und Alt und kann gemietet werden. Diese wurde in 2022 durch das Förderprogramm des Landes Hessen und einigen Spendern umfangreich ausgebaut und modernisiert.
Feierlichkeiten und Aktivitäten
Der Sparclub gibt mit seiner Winterwanderung im Februar den Startschuss der Jahresaktivitäten.
In der Freizeitanlage findet das alljährliche Osterfeuer der Freiwilligen Feuerwehr, der Himmelfahrtsgottesdienst mit Konfirmantenvorstellung sowie das Himmelfahrtsschießen des Schützenvereins und das Kalkofenfest in August, das von drei Vereinen im Wechsel veranstaltet wird, statt.
Auf dem Dorfplatz mit Lindenbaum trifft sich in den Frühlings- und Sommermonaten an jedem ersten Freitag das ganze Dorf zu einem Stammtisch, bei dem sich in Gesprächen ausgetauscht und gefeiert wird.
Traditionell lädt der Schützenverein zum Oktoberfest und Weihnachtsgrillen nahe der Dorflinde ein.
Das Ganze wird vom Martinszug der Freiwilligen Feuerwehr kurz vor der Adventszeit angeführt.
Sehenswertes und Wahrzeichen
Markant für Berneburg sind der in den 1930er Jahren angelegte Dorfplatz mit der Linde und dem Ensemble der Dorfkirche im Hintergrund.
Im Norden, dem Oberland, befinden sich die Obermühle mit dem dahinterstehenden von hundelshausischen Hof und der Hundelshausen-Burg, auf Platt genannt „de Borg“, die die Wappen der Vorbesitzer zieren.
Südwestlich des Dorfplatztes auf einem Felsen ragt das Dorfgemeinschaftshaus hinter einem Gedenkbrunnen, neben der Kemenate und dem von steinischen Hof empor, in dem sich auch der Kindergarten und die Freiwillige Feuerwehr befinden. Auch ein großer Kinderspielplatz befindet sich auf dieser Ebene. Den steinischen Hof zieren ebenfalls die Wappen der Vorbesitzer, zusammen mit der Kemenate und sind der Blickfang aus Richtung Cornberg kommend.
Beim Eingang aus Richtung Bundesstraße befindet sich der Sedilhof mit einem ebenfalls herrschaftlichen Wohnhaus und sind der Blickfang aus Richtung Sontra kommend.
Im Unterdorf Richtung Sontra steht die mit Bauernbemalung versehene Untermühle und dem Kornspeicher. Dahinter an der Bundesstraße das Gasthaus Gonnermann.
Dabei dürfen das alte Pfarrhaus in der Dorfmitte, das mit seinem Mansardendach an eine Krone erinnert, und der Kalkofen mit Freizeitanlage an der Bundesstraße nahe dem Radweg R1/5 nicht vergessen werden.
Im Jahr 2011 wurden im Zuge der Dorferneuerung drei Höhlen in Berneburg freigelegt, die unter Aufsicht von Höhlenforschern und bei Niedrigwasser mit Ausrüstung begehen werden können.
Quellen:
Urkunde der Ersterwähnung Berneburg von 1254
LAGIS - Landesgeschichtliches Informationessystem Hessen - Hessisches Institut für Landesgeschichte
Siebmachers Wappenbuch 1605
Band 1 der Stiftung Sippel, Geschichte der alten Bergstadt Sontra in Niederhessen von 1864, Seite 122-123, vom Genealoge Dr. Carl Lorenz Collmann
Lagestück und Steuerbuch der Dorfschaft Sontra von 1751
Lagekarte der Dörfer Berneburg und Hübenthal von 1741
Sontra im 30-jährigen Krieg von 1989, Ilse Cromes
Stammbaum der Familie von Hundelshausen zu Harmuthsachsen und Haselbach
Chronik Röhrenfurth
Chronik der Familien Seidel und Steinmetz
Ornamente und Jahreszahlen an Gebäuden
Kirchenbücher des Kirchspiels Berneburg ab 1607
Dorffotos ab 1900

