„Wir sind so nicht“
Meldung aus SontraNach Kirchenschändung: Stadt Sontra will rechte Taten nicht dulden
Bericht von STEFANIE SALZMANN – Werra-Rundschau vom 04.09.2026
Eines will die Stadt Sontra auf keinen Fall: in den Ruf geraten, Brutstätte und Heimat von Nazis, Rassisten und anderen demokratiefeindlichen Gruppen zu sein. „Wir wollen hier sagen, dass Sontra so nicht ist“, sagte der Vorsitzende der Sontraer Stadtverordnetenversammlung, Pascal Gimbel (SPD), am Donnerstag. Um die Mittagsstunde hatten sich die politischen Spitzen der Stadt, Vertreter der evangelischen Kirche und der Adam-von-Trott-Schule von der evangelischen Sankt-Marienkirche im Herzen der Stadt versammelt, um gemeinsam ein Zeichen gegen Antisemitismus und Rassismus zu setzen.
Anlass war die Schändung des Gotteshauses in der vorigen Woche (WR berichtete). Bisher unbekannte Täter hatten in der tagsüber stets geöffneten Kirche das Gästebuch und die Altarbibel mit Hakenkreuzen, den Initialen Adolf Hitlers, einem missglückten Davidstern sowie dem Schriftzug „Ich hasse Juden“ beschmiert. Zudem war mit einem Edding im Aufgang zur Kanzel und im Gästebuch auch das Wort Jallalabat (die korrekte Schreibweise ist Dschalalabad) geschrieben worden. Dschalalabad ist der Name einer Großstadt im Osten Afghanistans und bedeutet „Stadt der Herrlichkeit“. Außerdem ist möglicherweise im Zusammenhang mit den Schmierereien eine Lautsprecherbox abhanden gekommen.
Zudem hatte erst kürzlich ein extrem rassistischer Facebook-Post die Stadt Sontra überregional in die Schlagzeilen gebracht. Sontra gehört neben Wanfried bisher zu den einzigen Kommunen im Landkreis, in denen die AfD auch mit mehreren Sitzen im Stadtparlament vertreten ist.
„Hier ist eine Grenze überschritten worden“, sagte Marco Haukwitz (CDU), der derzeit Sontras Bürgermeister Thomas Eckhardt vertritt und zu dem Treffen eingeladen hatte. „Wir wollen heute zum Ausdruck bringen, dass wir so nicht sind, und deutlich machen, dass wir dergleichen in Sontra nicht dulden werden.“
„Dass gerade die Bibel und das Kreuz betroffen sind, ist eine besondere Kränkung und Verletzung“, sagte Gemeindepfarrerin Stephanie Schmidt. Aber Kreuz und Bibel hätten mehr Strahlkraft als jedes politische Symbol und stünden für Hoffnung. Beim Gottesdienst am vergangenen Sonntag hatte Pfarrerin Susanne Leinweber in ihrer Predigt ausführlich über den Vorfall gesprochen, der die Gemeinde in Sontra sehr trifft. „So was ist mir noch widerfahren“, sagt der Kirchenälteste Klaus Gebhardt, sichtlich betroffen. Seit 36 Jahren ist er im Kirchenvorstand.
Gegen die Verharmlosung als „Dummer-Jungen-Streich“, die vorwiegend in zahlreichen Kommentaren auf Social-Media-Kanälen Verbreitung fand, stellt sich Detlef Nizold (SPD). „Selbst wenn es Kinder oder Jugendliche waren, kommen die aus einem Umfeld“, sagte er. Oliver Methe, Schulleiter der Adam-von-Trott-Schule, verurteilte die Tat „aufs Schärfste“ und verwies auf die intensive Demokratiebildung an der Schule, die auch durch ihren Namen eng mit dem Kampf gegen Rechts verbunden ist. Jorias Bach (FDP) sagte, dass die Verrohung der Gesellschaft auch in Sonta angekommen sei.
Er ließ sich bewusst nicht mit dem AfD-Abgeordneten Alexander Volkenant fotografieren. „Ich kann nicht nachvollziehen, warum sich Vertreter anderer demokratischer Parteien, Vereine und der Kirche in diesem Rahmen mit der AfD posieren und sich damit auch ein wenig zusammenschließen“, so Bach. Volkenant war ebenfalls gestern zur Stadtkirche gekommen und hatte gesagt, „dass keiner die Nazizeit zurückwolle“.
Die Frage, ob die Sontarer Stadtkirche ab nun verschlossen bleibe, ist in der Gemeinde noch nicht ausdiskutiert. „Das“, so Pfarrerin Schmidt, „wäre ein Zurückweichen“.


